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Geschichte

100 Jahre Eternit 

Die Geschichte des Unternehmens widerspiegelt die Entwicklungsgeschichte der modernen Architektur und der Wirtschaft in der Schweiz.

 

1901 lässt der Österreicher Ludwig Hatschek den Asbestzement patentieren und tauft seine Erfindung ''Eternit'', abgeleitet vom lateinischen ''Aeternitas", was soviel bedeutet wie Unvergänglichkeit.

 

Für die Verbreitung seiner Erfindung vergibt Ludwig Hatschek jeweils pro Land eine Lizenz. Die Lizenznehmer sind verpflichtet, ihrem Unternehmen und ihren Produkten den Namen Eternit zu geben und das Eternit-Logo zu verwenden. So entstehen weltweit innert wenigen Jahren zahlreiche von einander unabhängige Unternehmen, die in ihrem Namen die Bezeichnung Eternit führen und Produkte gleichen Namens herstellen.

 

1902 erwirbt Alois Steinbrunner die Lizenz und gründet 1903 die Schweizerische Eternitwerke AG. Der Ort der neuen Fabrik in Niederurnen ist sorgfältig ausgewählt. Hier gibt es aufgrund des Rückgangs der Stoffdruckerei brach liegende industrielle Anlagen, vor allem aber auch Arbeitskräfte.

 

Die Hoffnungen auf das neue Produkt sind gross. 1904 werden zwei Produktionslinien mit einer Produktionskapaziät von je 1 Mio m2 eingerichtet. Schon nach kurzer Zeit erobert die Produktepalette mit Dachschiefer, Wabenschiefer und Fassadenbekleidung die Märkte. Im Jahre 1911 ist die Produktion ausgelastet. Der Export geht nach Afrika, Asien und Südamerika. Der König von Siam deckt mit Eternit seine Lusthäuser ein.

 

1910 stellt das Unternehmen die ersten Blumenkisten aus zusammengeschraubten Platten her.

 

1913 startet der Heimatschutz des Kantons Graubünden eine Kampagne gegen Eternit als ''Landschaftsverschandler''. Eternit wird damit noch bekannter und der Absatz im Bündnerland steigt stark an.

 

1914 werden aus Eternit ganze Häuser gebaut. Dank der Elementbauweise können diese in drei bis vier Tagen erstellt werden. Der günstige Preis verhilft auch Arbeiterfamilien zu einem eigenen Heim.

 

Diese Entwicklung führt zu intensiven Auseinandersetzungen mit den Architekten. Diese sehr wichtige Kundengruppe fühlt sich übergangen. Aus der Krise wächst die Lösung. Das Unternehmen sucht die enge Zusammenarbeit mit den Architekten, die dem Produkt Eternit als Baustoff des modernen Wohnens zum Durchbruch verhilft.

 

1915 entwickeln sich die Blumenkisten aus der Formerei zu einem erfolgreichen Produkt.

 

Der Asbestmangel in den Kriegsjahren nach 1916 zwingt das Unternehmen, andere Tätigkeiten aufzunehmen, um Entlassungen in der Produktion zu vermeiden: Aufbau einer Sägerei, Herstellung von feuerfesten Steinen in der Ziegelhütte, Braunkohleabbau am Ricken. Für die Mitarbeitenden werden Weiterbildungskurse angeboten, das Kader unterrichtet. Werkstatt und Baubüro hingegen sind damit ausgelastet, in Grossbritannien, Frankreich und Australien, für Dritte Produktionen aufzubauen.

 

Nach dem Krieg läuft die Produktion wieder und 1919 erreicht der Absatz noch nie erreichte Höhen. Gleichzeitig richtet das Unternehmen eine Alters- und Invalidenversicherung ein.

 

1920 organisiert das Unternehmen erstmals eine kostenlose Schulung für Dachdeckermeister. 155 Berufsleute nehmen teil. Die Reklamationen wegen schlecht ausgeführter Arbeiten gehen um 90% zurück!

 

Im Verwaltungsrat nimmt Ernst Schmidheiny sen. Einsitz

 

Der grosse Brand von Sent 1921 erweist sich für den Werkstoff Eternit als Nagelprobe. Nur die Dächer aus Eternit halten der Hitze stand.

 

Die Krise Mitte der 20er-Jahre trifft auch das Unternehmen. 1923 wird die Schweizerische Eternitwerke AG zur Holdinggesellschaft Amiantus AG. Die Fabrikationsanlagen, Warenvorräte und Gebäude werden der neu gegründeten Tochtergesellschaft  Eternit AG, Niederurnen, verkauft. Neue Produkte wie beispielsweise Elementbau-Garagen werden entwickelt.

 

1928 entwickelt sich der Produktebereich "Rohre", welche unter anderem Druckrohre für Wasser, Installationsrohre und Kabelrohre produziert.

 

Die grosswelligen Platten kommen 1933 auf den Markt. In diesem Jahr wird der 24-jährige Max Schmidheiny geschäftsleitendes Mitglied des Verwaltungsrates.

 

Das Jahr der Landesausstellung ist das Jahr der Eternit AG. Bei 50 von 130 Hallen der Landi werden Eternit-Produkte eingesetzt, hauptsächlich Wellplatten für die Fassaden. Die Eternit AG ist mit einem eigenen Pavillon vertreten.

 

Während des 2. Weltkrieges fällt Asbest unter die Blockadegüter. Die Eternit AG sieht sich gezwungen, das Fabrikationsprogramm auf Formereiartikel umzustellen. In diesen harten Zeiten wird das Firmenareal in Eigenregie umgestaltet und veraltete Gebäude werden ersetzt. Diesen Massnahmen ist es zu verdanken, dass praktisch alle Mitarbeiter weiterhin beschäftigt werden können.

 

Am 9. September 1945 trifft wieder Asbest in Niederunen ein und die Produktion kann weitergehen. Im gleichen Jahr wird die Betriebskommission gegründet, welche den Kontakt zwischen den immer zahlreicher werdenden Mitarbeitenden und der Geschäftsleitung verbessert.

 

Der Aufschwung im Jahr 1948 verlangt nach leistungsfähigeren Maschinen. Die neue Plattenfabrik wird gebaut.

 

Zur Freude der Architekten gelingt nach aufwändiger Forschungsarbeit das Einfärben der braunen und schwarzen Dachschiefer.

 

1950 In den 50er-Jahren beginnen vermehrt Industriedesigner sich mit Eternit zu befassen und entwickeln aus diesem Baustoff ganze Wohnprogramme. Willy Guhl, der erste Industriedesigner der Schweiz, gestaltet Blumengefässe, das Elefantenohr, die Sandkiste, vor allem aber den Strandstuhl, die geniale Schlaufe, die zum Möbelklassiker wird.

 

Das neue Zweigwerk Payerne lässt 1957 die Transportkosten für die Bedienung des wachsenden Marktes in der Westschweiz sinken.

 

1963 finden zum ersten Mal die farbig beschichteten, grossformatigen Pelichrom-Platten Verwendung.

 

1964 An der Expo sind die Eternit AG und ihre Produkte wiederum prominent vertreten.

 

1967 übernimmt Max Schmidheiny die Verantwortung für die Eternit AG.

 

1973 ist die Belegschaft der Eternit auf 1000 Personen angewachsen.

 

Mit 28 Jahren, fast im gleichen Alter wie damals sein Vater, übernimmt Stefan Schmidheiny 1975 die Leitung der Eternit AG als Delgierter des Verwaltungsrates.

 

1976 wird als Weltneuheit die gepresste Wellplatte hergestellt. Damit ist eine massive Qualitätssteigerung verbunden.

 

1978 Zum 75-Jahre-Jubiläum übernimmt Stephan Schmidheiny das Amt des Verwaltungsratspräsidenten und gibt eine einschneidende Neuerung bekannt: Die Eternit AG will die Herstellung von asbesthaltigen Produkten aufgeben.

 

Nach kurzer Zeit gelingt es, im Labor neue Fasermischungen so weit zu entwickeln, dass sie in der Produktion eingesetzt werden können.

 

1984 kann bereits die Hälfte der Produktion asbestfrei ausgeliefert werden.

 

1986 wird die bisherige Eternit AG zu Eternit Holding AG. Gleichzeitig wird eine neue Gesellschaft mit dem Namen Eternit AG gegründet, welche die Werke Niederurnen und Payerne, wie auch die Beteiligungen an der Phonex AG, Wettswil, und der Montana Stahl AG, Würenlingen, übernimmt.

 

1987 wird erstmals der Eternit-Preis vergeben. Der Wettbewerb wird von da an alle zwei Jahre unter den Studierenden der Schweizerischen Architektur-Hochschulen ausgeschrieben und findet grosse Resonanz. Die vor Jahresfrist gegründete Eternit AG wird zur Eternova Holding AG, welche die Werke Niederurnen und Payerne an eine neu gegründete Eternit AG überträgt.

 

1989 Per Jahresende wird die neue Eternit AG mit den Werken Niederurnen und Payerne in eine Baustoffgruppe integriert, die später den Namen Cemroc erhält. Thomas Schmidheiny übernimmt von seinem Bruder Stephan sämtliche Aktien und das Präsidium des Verwaltungsrates. Damit gehört die Eternit AG nicht mehr zur Schweizerischen Eternit-Gruppe von Stephan Schmidheiny.

 

1990 Im Hochbaubereich wird die Umstellung auf asbestfreie Produkte abgeschlossen. Das Werk Payerne ist nun vollständig asbestfrei, das Werk Niederurnen weitgehend. Am 1. Oktober wird Anders Holte geschäftsführender Direktor.

 

1993 Die nachhaltige Produktion ist umgesetzt. Die Stoff- und Energieflüsse sind in einer Ökobilanz erfasst. Sämtliche Produkte der Eternit AG sind zu 100% rezyklierbar.

 

1994 ist die Asbest-Ära zu Ende. Im Werk Niederurnen wird das letzte asbesthaltige Rohr gewickelt.

 

1996 Die Eternit AG wird als Konzerngesellschaft in die Gruppe Holderbank integriert.

 

1997 Die Rohrproduktion wird eingestellt. Der Absatz ist seit den 70er-Jahren kontinuierlich gesunken. Für den Vertrieb von Faserzement- und Kunststoffrohren aus Deutschland in der Schweiz gründet die Eternit AG die Tochtergesellschaft Etertub AG.

 

1998 Wellplatten werden nun auch in Slowenien von der neu gegründeten Tochtergesellschaft Esal produziert.

 

1999 Die heute noch gültigen Leitsätze lösen das alte Leitbild ab. In Niederurnen wird das Entwicklungsleitbild für ein zukunftsweisendes Industriegebiet entwickelt.

 

2000 Der von Architekt Stefan Cadosch entwickelte Stand aus vorfabrizierten Modulen findet an der Swissbau grosse Beachtung.

 

2001 Die Farbpalette für die neuen Fassadenfarben entsteht aus der Zusammenarbeit von Architekten und Farbberatern.

 

2002 An der Expo bilden SWISSPEARL-CARAT-Platten eine dreidimensionale Kassettenfassade.

 

2003 Die Eternit AG feiert das 100-Jahre-Jubiläum des Unternehmens mit Kundenanlässen, einem Tag der offenen Tür und besonderen Leistungen für die Mitarbeitenden. Im Jubiläumsjahr erscheint auch die Publikation des Institutes für Geschichte der Architektur der ETH Zürich, gta, mit dem Titel: ''Eternit Schweiz - Architektur und Firmenkultur seit 1903''.

 

Die 1997 gegründete Etertub AG gliedert ihre Geschäftstätigkeit im Rahmen eines Management Buyout in eine neue, von der Eternit AG unabhängige Gesellschaft aus. Sie wird gleichzeitig in Estertub AG unfirmiert, während die neue Gesellschaft den Namen Etertub AG annimmt.

 

2003 Im November übernimmt die BA Holding AG sämtliche Aktien der Eternit AG. Bernhard Alpstaeg wird VR-Präsident.

 

2005 Die Eternit AG überträgt die Werke Niederurnen und Payerne auf die im Jahr 1997 als Etertub AG gegründete Tochtergesellschaft Estertub AG. Diese wird in Eternit (Schweiz) AG umbenannt. Die bisherige, 1987 gegründete, Eternit AG erhält den Namen FibreCem Holding AG.

 

2006 Die Eternit (Schweiz) AG errichtet die Stiftung Eternit-Werke Schweiz. Diese erbringt Leistungen vorwiegend finanzieller Art für aktive und ehemalige Mitarbeitende der beiden Werke und ihren Angehörigen, die von den Folgen der seinerzeitigen Asbestverarbeitung besonders hart betroffen sind.

 

2007 Das Werk Payerne feiert sein 50-jähriges Bestehen mit einem „Tag der offenen Türe“, einem „Tag der Mitarbeiter“ sowie einem Festakt in Avenches.  

 

2009 Die Eternit (Schweiz) AG übernimmt die Bachl Baustoffe Porschendorf GmbH (Deutschland).

 


 
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